Jan 11 2010
Winter-Wonder-Land
Daisy ist weg.
Nein, keine neue Freundin, auch nicht der Hund (?) vom verstorbenen Mooshammer. Ich meine das Tief mit den angedrohten 20-30 Zentimeter Neuschnee, und Winden, die - auch in Düsseldorf - zu gefährlichen Schneeverwehungen führen sollten.
Vielleicht habe ich Daisy aber nur verpasst, denn ich war faul am heutigen Samstag. Nach dem Frühstück bin ich nicht wie in der Regel jeden Samstagmorgen ins Schwimmbad gegangen, sondern hatte mich auf die Couch gelegt und wollte Sport im TV sehen, aber es kam ja fast nichts. Daisy war woanders, und sorgte dort für Unruhe. Aber ein bischen was ging immer, also Biathlon und Langlauf, immerhin. Und beim gelegentlichen Blick aus dem Fenster war dann doch etwas von Daisy da, es schneite, nicht viel aber kontinuierlich.
Ich hatte mich jetzt auf einen sportfreien Tag eingestellt, obwohl ein solches Wetter schon zu Outdoorsport einlädt, mich jedenfalls. Aber es kam ja noch Skifliegen, das wollte ich dann doch nicht verpassen.
Inzwischen war es 16 Uhr, und ich lag immer noch auf der Couch. Da fiel mir meine aktuelle Fettleibigkeit wieder ein und der Wunsch, bald wieder auf knackige 77 Kilogramm zu kommen. Und dieser Wunsch war grösser als ein ruhiger, fauler Samstag. Ausserdem, es sah super aus draussen. Es schneite nicht mehr, und es waren dann doch circa 15 Zentimer Neuschneee gefallen. Laufen müsste jetzt einen Riesenspass machen!
Eine halbe Stunde hatte ich mir dann vorgenommen.
Direkt um die Ecke bei mir ist der Volksgarten, ein ziemlich grosses Parkgelände. Eine kleine Runde, und dann wieder nach Hause, das war das Ziel.
Im Park angekommen bot sich mir ein wunderschönes Bild. Die Dämmerung setzte langsam ein, die Laternen wurden eingeschaltet und warfen ein warmes Licht auf den Schnee. Väter kamen mir entgegen und zogen den Nachwuchs auf den Schlitten hinter sich her. Man konnte noch die roten Wangen und die verschwitzten Haare unter den dicken Wollmützen erkennen. “Wie früher”, dachte ich. Wobei “früher” bei mir schon 45 Jahre her ist :-)
Ich lief in den Park hinein, die meisten aber verliessen ihn. Klar, die Kids mussten ins Bett. Nach ein-zwei Kilometern war ich allein auf den gut gewalzten Wegen. Die Luft war kalt, aber erträglich. Das Laufen, eher ein Joggen, klappte sehr gut. Trotzdem - auf den Laufschritt musste immer geachtet werden, denn unter dem Schnee war es teilweise glatt. Kein schlechtes Techniktraining, ähnlich dem Laufen über Stock und Stein im Wald. Die Füsse mussten immer vernünftig angehoben werden, kein triathletischer Schlurfschritt, wie ich ihn gerne praktiziere.
Die Folge - trotz gemütlichem Tempo (ich schätze mal 6 Minuten Schnitt) hatte ich einen Puls, der bei der anschliessenden Auswertung über die Pulsuhr im PC einen Trainingseffekt von > 4 = stark verbesserndes Training dokumentierte. Oder liegt es doch an meinem dicken Bauch und/oder der noch nicht vorhandenen Grundlagenausdauer?
Aus den geplanten 30 Minuten wurden übrigens knapp über 60 Minuten, einfach weil es wunderschön war, im Halbdunkel über verschneite Wege in einem Park - fast allein - zu laufen. Ohne Druck das Tempo betreffend, ohne Vorgabe “jetzt noch 10 Kilometer!”, einfach laufen.
Am Abend nahm ich mir vor, am Morgen früh aufzustehen, um wieder das Gefühl zu haben, der Park gehört mir. Aber ich bin dann doch gegen Mittag gelaufen. Diesmal hatte ich genausoviel Spass, denn jetzt, im Hellen, konnte ich beim Laufen die grosse Zahl der Kinder beim Rodeln beobachten. Kleine Hügel, keine Berge, aber lustig war es anzusehen. Bin ich etwa früher auch nur so kleine Abfahrten runter? In meiner Erinnerung waren es kilometerlange, steile mörderische Abfahrten, mit einer geschätzen Geschwindigkeit von mindestens 150 km/h, bäuchlings halsbrecherisch auf den Holzrodel liegend. Sollte ich mich so täuschen?
Es wurden am Sonntag übrigens 75 Minuten im verschneiten Volksgarten. Anschliessend ging es dann noch auf die gehasste Rolle vor dem heimischen Fernseher. Dazu dann später mal mehr.






Die Dämmerung setzte langsam ein, die Laternen wurden eingeschaltet und warfen ein warmes Licht auf den Schnee. Väter kamen mir entgegen und zogen den Nachwuchs auf den Schlitten hinter sich her. Man konnte noch die roten Wangen und die verschwitzten Haare unter den dicken Wollmützen erkennen. “Wie früher”, dachte ich.
Wow !!!
Das ist Poesie pur !
Peter, das sind völlig neue Seiten an dir.
Damit stehst du in einer Linie mit Peter Rosegger.
Wir waren am WE auch unterwegs, schön locker 17 km (lt. Garmin) Ebenfalls Winter Wonderland- war richtig schön.
Thomas
Jetzt muss ich erst mal schauen, wer Peter Rosegger ist. Bestimmt kein Triathlet :-)
Aber danke für das Kompliment, Tom.