Dez 15 2009
Suchtsymptome und Schmerzmittel
Ich habe die Tage mal ein wenig in älteren Artikeln der Frankfurter Rundschau rumgestöbert, und tatsächlich: Während meines Urlaubs letztens ist mir ein doppelseitiges Tagesthema entgangen, das den Triathleten nicht unberührt läßt. Anlass war der Prozess um den Zugspitzlauf 2008, bei dem zwei Sportler starben und neun weitere lebensgefährlich unterkühlt gerettet wurden.
Im Artikel Zugspitzmarathon: Tod am Berg wird weiteres über den Prozess berichtet und einige bekannte Extremsportveranstaltungen vorgestellt. Aber entscheidend sind zwei weitere Stücke, mit deren Inhalt bzw. Aussagen sich vielleicht jeder von uns mal beschäftigen könnte:
Im Interview Problematische Suchtsymptome erklärt der Sportpsychologe Oliver Stoll (selbst 100-km-Läufer) u.a.:
So ein Marathon-Projekt ist etwas, was ein Läufer ganz allein durchziehen und selbstbestimmt planen kann - vom Training, über selbst gesetzte und dann erreichte Ziele bis zum Event selbst. Das ist für viele ein wohltuender Kontrapunkt zum Alltag, wo sie sich nur als Rad in einer großen Berufsmaschine fühlen. Diese positive Verstärkung suchen viele, aber finden sie im Beruf nicht mehr.
Frage: Das klingt ja noch ganz vernünftig. Was aber treibt jene, die fast schon fanatisch laufen?
Diese Läufer haben eine bestimmte Persönlichkeitsdisposition. Wir nennen sie Sensation Seekers. Sie brauchen den Kick. Normalerweise machen die auf der Suche nach dem schnellen Adrenalinstoß Bungee Jumping oder andere hochriskante Sportarten. Ist so jemand ohne Vorbereitung auf einem Berglauf dabei, um auszutesten, was geht, kann es gefährlich werden. Wobei ich betonen möchte: Eigentlich ist der Zugspitzlauf nicht riskant. Nach vernünftiger Vorbereitung und wenn das Wetter stimmt, ist das machbar. Aber nicht in kurzen Hosen und Netzhemdchen.
(…)
Frage: Manche Extremsportler trainieren in jeder freien Minute - ist das schon Getriebenheit?
Ich selbst habe mich früher von einer Grenze zur nächsten getrieben. Zuerst bin ich zehn Kilometer, dann Halbmarathon, Marathon, dann 100 Kilometer gelaufen. Beim 24-Stunden-Lauf war Schluss. Ich weiß, es wird problematisch, wenn Suchtsymptome auftreten: ständige Steigerung der Dosis, soziale Isolation, Entzugssymptome, schlechtes Gewissen, wenn man nicht trainiert, und das Bedürfnis, es immer wieder zu tun. Manche laufen sogar mit Ermüdungsbrüchen. Wenn drei, vier Symptome zutreffen, wird es problematisch.
Und im dazugehörigen Artikel Wie sich Sportler gefährden: Fataler Testosteronstoß heißt es:
Im Jahr zuvor, beim Zugspitzlauf 2007, war es zu teils massiven Protesten von Teilnehmern gekommen, weil die Strecke wegen eines Kälteeinbruchs mit Rücksicht auf die Gesundheit der Athleten verkürzt worden war, Rücksicht, die viele Sportler selbst auf ihre Gesundheit nicht nehmen wollten. “Mein Verständnis dafür ist sehr gering”, sagt Mediziner Brune, “ich bezeichne solche Menschen im Zusammenhang mit Sport überspitzt als ,nicht zurechnungsfähig´.”
Brune und Kollegen haben sich zwar nicht mit Ausdauersportlern beschäftigt, die bis zum Tod unterkühlt waren, aber ihre Recherche zum Einsatz von Schmerzmitteln im Breiten- und Leistungssport legt Zeugnis ab über eine entweder verblüffend rücksichtslose oder aber höchst naive Einstellung zum eigenen Körper - über eine Mentalität jedenfalls, die die eigenen Grenzen nicht anerkennen will.
(…)
Das Ärzteteam ließ für seine Studie 1024 Teilnehmer des Bonn-Marathons 2009 danach befragen, ob sie bereits vor dem Rennen Schmerzmittel zu sich nähmen, um die Pein erträglich zu halten. Kaum zu glauben: Fast zwei Drittel bejahten, “weit über 60 Prozent, ein überraschender und völlig neuartiger Befund”, wie Brune betont und ergänzt: “Männer scheinen besonders gefährdet. Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass sie viel häufiger und in sehr viel höherer Dosierung Schmerzmittel einnehmen als Frauen.” Der Arzt kann sich “das nur durch einen Testosteronstoß erklären, der das rationale Denken ausschaltet”. Ähnlich könnte es beim Zugspitzlauf zugegangen sein.
Die Einnahme von Schmerzmitteln ist dabei laut Brune völlig sinnlos, das hätten vergleichende US-Studien bei einem Ultramarathon ergeben: “Die meisten Menschen glauben, sie hätten hinterher keine Schmerzen, wenn sie vorher etwas einnehmen. Dem ist nicht so.” Allenfalls sei es “akzeptabel, wenn auch nicht empfehlenswert, bis zu 600 Milligramm Ibuprofen nach der Belastung und nach Aufnahme von ausreichend Flüssigkeit und Salz einzunehmen, also allerhöchstens drei Tabletten à 200 Milligramm.”
Schmerzmittel vor der körperlichen Anstrengung seien dagegen schädlich. Der Professor erläutert die Abläufe: “Das Herz-Kreislauf-System muss mit Hochleistung arbeiten, die Niere muss die bei der Belastung entstehenden, zusätzlichen Schadstoffe ausscheiden, und der Darm sollte in dieser Zeit in der Lage sein, Wasser und Salze aufzunehmen. Das aber geschieht nicht. Der Körper konzentriert seine Blutreserven auf die Muskulatur und das Herz. Hochgradig belastete Organe wie Niere und Darm erleiden eine Mangeldurchblutung, die durch die Einnahme von Schmerzmitteln zusätzlich verstärkt wird. Die Grenz- und Schutzfunktion des Darms wird gestört und Bakterien und ihre Gifte gelangen in den Körper. Der Allgemeinzustand verschlechtert sich.” Zudem würden die inneren Organe durch Stöße und Schüttelbewegungen zusätzlich gestört.
Der erwähnte und zitierte Mediziner ist Professor Kay Brune, der am Institut für Klinische und Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen arbeitet. ich lass’ die Aussagen jetzt mal so stehen. Kann sich jeder ja mal an der eigene Nase fassen.






Also ich habe noch nie von jemanden gehört der sich Schmerzmittel vor einem Wettkampf reinzimmert um danach keine Schmerzen zu haben. Ich kenne es nur so, dass Schmerzmittel genommen werden um während des Wettkampfes keine Schmerzen zu haben….
Naja, dass der gemeine Mann einen Testosteronstoß, mal eben so vor einem Wettkampf bekommt und damit zur Pille greift, greifen muss – Ihr armen gepeinigten Zweikopfträger. Es scheint ja so als könntet ihr nichts dafür.
Wie auch immer, wir Frauen können halt mehr, öfter und sind nun mal von Natur aus härter im nehmen ;-)
Und für alle die, die nun glauben durch eine Geschlechtsumwandlung zur Frau zu werden… ihr könnt dann nur die schicken Kleider tragen, aber ihr werdet nie zu einer wahren Frau.